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Carstensz-Expedition: Durch den Dschungel geht's hoch


„Na endlich!“, denke ich als der Wecker um 6:00 Uhr klingelt. Heute verlassen wir den letzten Rest der Zivilisation und nähern uns durch den Dschungel unserem Ziel Carstensz-Pyramide.

Den Artikel habe ich direkt am Ende des Tages auf dem Smartphone geschrieben. Er zeigt ungefiltert persönliche Emotionen und Wahrnehmung bei der Besteigung. Etwaige Rechtschreibfehler sind zu verzeihen.

Das Programm des ersten Expedition-Tages ist stramm und für uns alle noch holprig. Wie müssen uns erst einspielen. In welchem Rhythmus bewegen wir uns aus dem Schlafsack, packen unser Gepäck, bauen das Zelt ab und frühstücken wir? Das ist immer neu zu Beginn einer Expedition, da ich meinen Zeltpartner Mike noch nicht so gut kenne. Und es ist umständlich. Mike hat wenig Erfahrung, ich erkläre den meisten Teil und mache es vor. Aber er lernt schnell. Trotzdem brauchen wir recht lange.

Abmarsch in Illaga - Carstensz Expedition nach Papua
Abmarsch in Illaga

Start mit Hindernissen

Nach dem Frühstück starten wir auf rund 2.400 Metern um 7:30 Uhr unseren Marsch. Nachdem es zunächst etwas abwärts zum Fluss geht, lernen wir unseren „Weg“ kennen: Kaum erkennbar, matschig und immer wieder steile Auf- und Abschwünge. „Die nächsten fünf Tage werden kein Spaß“, denke ich mir.

Bevor wir aber endgültig, die letzten Hütten – in diesem Fall eine Missionsschule mit Kirche verlassen – ein kleiner Zwischenfall. Unser Expeditionsleiter Werner hält uns an zu warten. Es gibt Probleme mit einem der Stammesältesten. Es ist unklar, ob wir passieren dürfen. Nicht jeder Reiseveranstalter darf hier durch. Werner Weiglein ist aber bekannt und hat beste Beziehungen. Er regelt das. Wir ziehen mit Verzögerung und einem ungewöhnlichen Umweg weiter in den Dschungel.

Es wird duster. Dichter Wald umgibt uns. Der Weg ist schwer einzuschätzen. Ständig liegen uns Bäume oder Lianen im Weg. Die Träger markieren mit ihren Macheten den Weg. Anhand der frischen Einkerbungen folgen wir. Es geht steil rauf und runter. Wir balancieren auf Baumstämmen über die Sümpfe und kriechen unter niedrigen Ästen her. Wir kommen nur langsam voran. Rund 25 Minuten pro Kilometer ist sogar noch ganz gut, für diesen Abschnitt:

Erschöpfende Anstiege im Dschungel

Ich fühle mich überraschend platt, obwohl ich mich gut vorbereitet hatte. Endlich erreichen wir unseren Platz für die Mittagspause, eine Freifläche vor einem steilen Hang, den ein Erdrutsch verursacht hat. Um 13:00 Uhr serviert unser Koch eine Suppe mir Reis und einer Art Spinat. Ich nehme diese Kalorien freudlos auf. Da sich unser Team aber noch findet, erzählen wir viel. Es ist immer das gleiche in neuen Gruppen auf Expeditionen. Am Anfang wird viel gesprochen, danach wird es dann ruhiger.

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir bisher so viel Sonne haben. Erst nach dem Mittagessen gegen 14 Uhr zieht es zu. Die steile Rampe geht es noch in gleißender Sonne hoch. Danach setzt der Regen ein. Ich habe einen Schirm dabei, der schon jetzt im Dschungel leidet. Hoffentlich hält der durch. Ohne Schirm wird es schwierig.

Ich merke zunehmend: Die Carstensz-Pyramide überhaupt zu erreichen, wird eine riesige Herausforderung. Ich und auch andere fühlen sich schon jetzt erschöpft. Es geht um die 1.200 Höhenmeter hoch, ohne die Abstiege. Dabei aber durch einen undurchdringlichen Dschungel, in den die Träger mit ihren Macheten kleine Schneisen schlagen.

Unser Weg - Carstensz Expedition nach Papua
Unser Weg

Der erste Abend

Um 16:00 Uhr erreichen wir auf rund 3.600 Metern unser Lager 1. Die Prozedur wird ab jetzt immer dieselbe sein: Am späten Nachmittag ankommen, Zelt aufbauen, Warten auf das Abendessen. Und auch letzteres wird immer dasselbe sein. „Täglich grüßt das Murmeltier“ erfordert eine starke mentale Disziplin. Insbesondere den richtigen Platz für das Zelt zu finden ist fester Bestandteil des Rituals: Durch Bewuchs, Sumpf und Felsen sind passende Flächen rar gesät. Aber so gibt es wenigstens etwas zu diskutieren, schmunzle ich.

Parallel zu uns bauen die Träger ihr Zelt auf. Holzstangen, über die eine riesige Plane gespannt wird. Die offenen Zugängen werden mit Reisig abgedichtet. Dort schlafen sie die Nacht, ohne Schlafsack. Aber dafür mit einem großen Feuer. Und das ist auch für uns eine große Herausforderung: Meine Augen beginnen zu brennen, ich kann kaum atmen in dem Zelt. Wie machen die Jungs das bloß? Aber ich werde mich dran gewöhnen.

Das erste Abendessen - Carstensz Expedition nach Papua
Das erste Abendessen

Jetzt, wo es dunkel wird, fällt es mir erst auf: Martina ist noch gar nicht da. Irgendwann kommt sie erschöpft an, sie hatte schon jetzt massive Probleme mit dem Dschungel und den Anstiegen. Trotzdem will Martina weitermachen. Wir sind uns unsicher, ob das Sinn macht. Denn sie verliert durch ihr langsameres Tempo Erholungszeit, dadurch verschlechtert sich ihr Zustand von Tag zu Tag und der Abstand zu uns nimmt zu. Martina will eine Nacht drüber schlafen. Mal sehen, wie es ihr morgen geht.

Gegen 19:30 Uhr fallen mir die Augen zu. Dieser erste Tag war ein erster Hinweis, auf das, was noch kommt. Interessanterweise stelle ich schon jetzt fest, wie autark wir laufen. Im Gegensatz zu anderen Expeditionen gibt es keine enge Verbindung im Team. Jeder geht sein Tempo. Eine enge Führung gibt es nicht. Mal schauen, ob sich das morgen ändert.

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Carstensz-Expedition: Gewöhnung in der Hochebene Papuas


Wirf einen Blick in die Galerie des Tages:

Betende TrägerAbmarsch in IllagaUnsere letzte BrückeDer Matsch wird uns fortan begleitenUnser WegKein Weg im DschungelBlick über den Dschungel PapuasMittagessen: Eine Art SpinatDer steile Anstieg nach dem MittagNoch gewöhnungsbedürftig: Der Rauch im KochzeltDas erste Abendessen

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