Summits

Auf dem höchsten Punkt Ozeaniens, der Carstensz-Pyramide


Endlich ist es soweit! Um 4:40 Uhr klingelt der Wecker und wir starten zur Carstensz-Pyramide. Wir sind zu Viert. Dabei sind Jenny, unsere Spanier Cosme und Oscar sowie ich. Extrembergsteiger Jost Kobusch führt unsere Gruppe an. 

Den Artikel habe ich direkt am Ende des Tages auf dem Smartphone geschrieben. Er zeigt ungefiltert persönliche Emotionen und Wahrnehmung bei der Besteigung. Etwaige Rechtschreibfehler sind zu verzeihen. Direkt zur Galerie am Ende des Artikels.

Die Carstensz-Pyramide im Sonnenaufgang
Carstensz-Pyramide im Sonnenaufgang

Mike und Michel bleiben heute im Basislager. Beide sind erschöpft vom gestrigen Tag, als es hoch über den Neuseeland-Pass ging. Nach einem kurzen Frühstück mit Ei und Toast marschieren wir los. Der Zustieg zum Fuß der Carstensz-Pyramide führt uns steil zwischen den kaum berührten Felsen hoch über eine erste Rippe und dann ins Yellow Valley.

Hier geht es entlang der Hinterlassenschaften indonesischer Expeditionen. Diese fliegen in dieses Tal per Helikopter und lassen alles an Nahrung und nicht mehr benötigter Ausrüstung zurück. Es macht mich traurig und wütend zu sehen, wie schlecht ein Staat, eine Kultur, mit der eigenen Natur umgeht.

Leichte Kletterei bei bestem Wetter

Trotzdem richte ich meinen Blick nach vorn. Nach gut 45 Minuten stehen wir an der Felswand und dem Einstieg zur Carstensz-Pyramide.

Wir legen unsere Klettergurte an. Daran befestigen wir zwei Bandschlingen, eine mit Steigklemme, eine mit Schraubkarabiner versehen. Dazu benötigen wir für den Abstieg einen Abseilachter. Für Nicht-Bergsteiger:

  • Bandschlingen sind fest vernähte Bänder, die bis zu 2,2 Tonnen Gewicht bei einem Sturz halten können.
  • Eine Steigklemme wird in den angebrachten Fixseilen eingehängt. Wenn der Bergsteiger abrutscht, stoppt diese den Sturz, indem sie am Seil blockiert. Nach oben lässt die Steigklemme sich leicht mitschieben.

 

Der Fels fühlt sich wundervoll an, die Sonne wärmt ihn auf. Die ersten Meter führen uns an einer Wand im 2. und 3. Grad hoch. Danach geht es in einer Rinne hoch. Reichlich Fixseile sichern uns gegen den totalen Absturz. Ich bin überrascht, wie gut die Bohrhaken angebracht sind. Fast ein alpines Plaisier-Klettern.

Zwischendurch gibt es immer wieder Gehpassagen. Ich sichere mich trotzdem, da die Höhenluft sich bemerkbar macht.

Dann kommt die rund 200 Meter hohe Wand, bevor es auf dem Grat zum Gipfel geht. Hier müssen wir im 4. Grad klettern. Aber auch das ist kein Problem. Das Tal unter uns sieht schon so weit entfernt aus.

Scheidtweiler auf dem Weg zum Carstensz-Gipfel
Ich auf dem Weg

Auf dem Gipfelgrat

Der Ausstieg erfolgt am Ende der Wand nach links. Der Grat ist breit und gut zu gehen, auch wenn es steil nach unten geht. Die Felsen sind scharfkantig. Ab und an bleibt die Kleidung hängen.

Unterbrochen wird die Wanderung von drei tiefen Einschnitten. Wir müssen vorsichtig abklettern. Wir sehen nicht immer alle Tritte. Daher ist es ein vorsichtiges Tasten. Tief geht es rechts und links runter. Meine Knie werden wackelig. Ich atme tief durch, balanciere über einen Felsblock und klettere wieder hoch. Das passiert zweimal.

Dann wartet die Seilbrücke auf uns. Ein Vergnügen für jeden Klettersteiggeher. Der Wind weht um meine Nase und ich genieße dieses leichte Abenteuer. Nach der Brücke geht es nur noch wenige Meter hoch. Und wir stehen endlich auf dem höchsten Punkt Ozeaniens.

Auf dem Gipfel

Das 7summits4help-Team auf dem Carstensz-Gipfel
Das Team auf dem Carstensz-Gipfel

Als ich um 9:56 Uhr auf dem Gipfel auf 4.884 Metern stehe, bin ich zufrieden.

Es ist weniger emotional als bei den anderen drei Summits (zu den Gipfel-Videos). Die Carstensz-Pyramide ist weniger erschöpfend, als „technisch“. Schnee sehen wir nur in der Ferne.

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Anspruchsvolle Abschnitte haben sich mit entspannten Abschnitten abgewechselt. Wir bleiben recht lange auf dem Gipfel. Der Blick reicht weit über Papua. Wir sehen auch das riesige Loche der Grasberg-Mine.

Schneller Abstieg mit Snack

Wir bleiben 40 Minuten und steigen dann im Expeditionsstil ab. Dazu umfassen wir an den flacheren Stellen die Fixseile und laufen mit Blick nach vorne einfach nach unten. Die Hindernisse auf dem Anstieg nehme ich gar nicht mehr wahr. An der Wand kommt der Abseilachter zum Einsatz. Das habe ich zwar noch nicht gemacht, gewinne aber schnell Sicherheit. Schnell geht es runter. Jost und ich nehmen uns auf dem Rückweg noch die Zeit, die Hinterlassenschaften der Indonesier auf Essbares zu durchsuchen. Und ja, wir werden fündig:

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Nach insgesamt gut 7,5 Stunden finden wir uns am Basislager ein. Unser Koch hat ein würziges Nasi Goreng vorbereitet. Zwei volle Teller gönne ich mir heute. Und Werner hat dann noch eine Überraschung parat: Es gibt Dresdner Stollen. Das Aroma lässt mich an Weihnachten denken. Auch hier. Auf 4.200m. Im Basislager.

Aber das war es noch nicht. Morgen greifen Jenny und ich nochmal an und schauen, was wir besser machen können.

Wirf einen Blick in die Galerie des Tages:

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