Abenteuer

Zur Zugspitze über Höllental und Klettersteig, Teil 2


Von den fünf Abschnitten Höllentalanger, erster Klettersteig mit dem „Brett“, Höllentalkar mit dem grünen Buckel, Höllentalferner und zweiter Klettersteig zur Zugspitze haben wir drei absolviert. Vor uns liegt jetzt das Schneefeld.

Der Bericht zeigt meine subjektiven Einschätzungen. Unsere Gruppe besteht aus Menschen, die unterschiedliche Klettersteig-Typen ihre Stärken und Schwächen symbolisieren. Für einen Bericht halte ich es für sehr wichtig, transparent über den Rahmen der Tour zu schreiben. Andernfalls wäre dieser Zugspitz-Report wertlos für dich als Leser. In diesem zweiten von zwei Teilen geht es bis zum höchsten Gipfel Deutschlands. Der erste Teil führte uns bis zum > grünen Buckel.

Durchs Höllentalkar zum Ferner

Nach dem Buckel folgt eine riesige Schutthalde. Das Kar zum Schneefeld ist lang und wie alle Schuttfelder nervig. Aber wir kommen gut drüber. Um 10:00 Uhr sehe ich das Schneefeld. Rechts am Höllentalkar geht es bis zum Ende des Tales. Dort warten schon andere Gruppen. Hier wird es frisch.

Toby, Alex und ich legen alles an, was wir haben. Wir werden den Höllentalferner nicht ohne André angehen. Wir beginnen zu frösteln. Die Feuchte der Höllentalklamm steckt uns noch in den Gliedern. Toby schickt die Drohne los.

Mal schauen, wo André steckt, Film ab:

Unser vierter Mann erreicht uns. Diesmal gönnen wir ihm keine lange Pause. Wir frieren und es soll weitergehen. Schnell legen wir die Steigeisen an. Mit Funktions-Shirt und Regenjacke begleitet folgt der nächste kurze Abschnitt bis zur Randkluft.

Der Höllentalferner ist leicht zu überwinden. In einer lang gezogenen Rechtskurve geht es hoch. Nach wenigen Minuten legen wir schon wieder die Steigeisen ab. Wir haben kindliche Freude beim Anstieg über den Schnee.

Los geht es auf den Ferner - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig -7summits4help-Blog
Los geht es auf den Ferner

Stau an der Randkluft

Um 12:30 Uhr stehen wir im Stau am Einstieg in den zweiten Klettersteig. Das hat etwas vom Hillary Step zum Mount Everest. Es wird kalt und die Gruppen vor uns brauchen ihre Zeit. Die Gruppenführer bereiten jeden ihrer Teilnehmer vor. Für Kletterer ist die Stelle mit den drei Stahlseilen und Mini-Tritten kein Problem.

Die Randkluft ist quasi nicht vorhanden. Aber mancher der Teilnehmer vor uns tut sich schwer, sicher an den Fels zu treten. Uns wird richtig kalt.

Vor der Randkluft - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig -7summits4help-Blog
Warten vor der Randkluft

Jetzt sind wir dran. Karabiner rein und hoch da. Kein Problem für uns.

Vor uns liegen gute 700 Höhenmeter. Der Klettersteig ist einfach zu gehen. In einer kurzen Phase habe ich Probleme, als keine Sicherung da ist und wir auf das gesamte Team warten wollen. Das liegt mir gar nicht: An einer als unsicher empfunden Stelle zu stehen. Mir ist Bewegung wichtig.

Danach könnte der Klettersteig Plaisier werden. Aber das Wetter spielt nicht mit. Wir sehen nichts, der Fels ist glitschig und es wird kalt. Und irgendwie wirkt die Bewegung eintönig: Wandern am Stahlseil, einen Karabiner weitersetzen, den anderen weitersetzen, wandern am Stahlseil.

Irgendwann lassen Toby und ich in den A-Abschnitten die Karabiner weg, um schneller voranzukommen. Der Steig ist körperlich und geistig keine Herausforderung mehr. Der Fels ist griffig, wenn kein Schnee drauf liegt.

Schnell ins Warme

Toby zieht an. Er will nur noch ins Warme. 14:20 Uhr sitzt er im Zugspitz-Restaurant. Ich lasse mir noch etwas Zeit für das eine oder andere Schwätzchen.

Gruselig ist ein Pole, der zwei Reepschnüre und zwei defekte Schraubkarabiner als Set benutzt. Ich verkneife mir jeden Kommentar und ziehe schnell weiter. Sein Set hätte keinen Sturz ausgehalten. Von diesen Self-made-Klettersteig-Sets sehe ich noch viel mehr. Junge Soldaten, die ich darauf anspreche. Amerikaner, die es mit Bandschlingen versuchen. „Verrückte Welt!“, denke ich.

Irgendwann flacht der Klettersteig ab und mündet in einen breiteren Weg. Der Zug zum Gipfelkreuz taucht aus dem Nebel auf. Links kurz hoch. Um 14:30 Uhr stehe ich auf dem höchsten Gipfel Deutschlands. Der Wind pfeift und es ist ziemlich kalt.

Auf dem Gipfel - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig -7summits4help-Blog
Auf dem Gipfel

Jetzt schnell runter und ins warme Restaurant. Hier sitzt Toby mit seinem alkoholfreien Rus’n, den ich mir ebenfalls bestelle. Eine warme Gulasch-Suppe und ein Stück Torte belohnen uns. Die Preise sind moderat. Schade finden wir, dass wir nicht gemeinsam als Team ankommen konnten. Wir sind uns einig: Am Klettersteig muss jeder sein individuelles Wohlfühl-Tempo gehen dürfen, sonst vergeht die Freude.

Abwechslung durchs Höllental

Nachdem Alex und André eintreffen, geht es direkt zur Abfahrt. Da die Seilbahn erneuert wird, fahren wir zunächst mit der Gletscherbahn zum Zugspitzblatt. und von da aus mit einem Umstieg in Grainau zum Bahnhof Garmisch-Patenkirchen. Diese kleine Tour kostet 31 Euro pro Person. Damit endet unsere Klettersteig-Tour zur Zugspitze um 18:30 Uhr.

Von Hammersbach aus zum Gipfel brauchen wir mit ausgiebigen Pausen gute 9,5 Stunden. Die Netto-Zeit lässt sich schlecht schätzen, liegt vermutlich unter 7,5 Stunden. Bei den Wetterbedingungen in Ordnung.

Die Tour durch das Höllental zeigt sich insgesamt abwechslungsreich und attraktiv. Wie sammeln viele tolle Eindrücke in den Abschnitten. Der Klettersteig selbst ist von den physischen und mentalen Anforderungen her ok, nicht zu vergleichen mit dem > Grünstein oder den kürzeren Passagen in > Decin.

Da wir kein Panorama haben, werden wir nicht für die stupide A-/ B-Klettersteigerei entschädigt. Uns wird klar, dass Alpin-Klettern einem Klettersteig vorzuziehen ist.


Tipps für den Klettersteig zur Zugspitze

1. Ausdauer trainieren

Der Klettersteig erfordert wenig Kraft und Technik, ausgesetzte Stellen gibt es kaum. Aber der Weg ist lang. Daher vorher viel Wandern, Laufen oder im Fitness-Studio auf den Stepper gehen. Das ist fair gegenüber den anderen Teammitgliedern.

2. Passende Ausrüstung mitnehmen

Auch wenn der Höllentalferner kein wirklicher Gletscher ist, sind für die paar Meter hoch zur Randkluft Steigeisen sinnvoll. Dazu natürlich die richtigen Bergschuhe. Am Klettersteig haben Turnschuhe nichts zu suchen. Das Klettersteig-Set solltest du im Fachhandel bei einer Beratung kaufen.

3. Nicht zu warm anziehen

Viele Klettersteig-Geher unterstützen den sportlichen Aspekt. Durch den Einsatz vieler Muskeln wird der Körper schnell warm. Das Wechseln der Kleidung im Steig ist immer recht aufwändig. Daher vorab festlegen. Selbst für unsere Wetterbedingungen haben ein Funktions-Shirt, eine Regenjacke sowie eine Trekkinghose gereicht. Trotzdem wäre eine leichte Daunenjacke gut bei unseren längeren Pausen gewesen.

4. Frühzeitig essen

Der Körper braucht Zeit um Kohlenhydrate zu verstoffwechseln. Daher regelmäßig einen zu einem passenden Snack zu sich nehmen. Bei mir sind es ganz allgemein Schokolade, Kekse, Kohlenhydrat-Riegel (Mit Weser-Kraft habe ich bei Expeditionen gute Erfahrungen gemacht), Nüsse und Bananen.


Bilder-Galerie zum Klettersteig

Die Galerie zeigt dir Impressionen zur unserer Tour in chronologischer Folge:


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