Zur Zugspitze über Höllental und Klettersteig, Teil 1


Um 4:00 Uhr klingelt der Wecker. Je nach Verantwortungsbewusstsein (wir haben zwei Väter unter uns), springen wir auf oder nutzen die Zeit bis 4:30 Uhr zum Dösen. Die Taschen sind seit gestern für die lange Klettersteig-Tour durch die Höllentalklamm über den -ferner hoch zum höchsten Gipfel Deutschlands gepackt.

Der Bericht ist authentisch und bietet meine ehrlichen Einschätzungen. Unser Team besteht aus tollen Menschen, die auch unterschiedliche Klettersteig-Geher darstellen. Allerdings halte ich es bei einem derartigen Bericht für sehr wichtig, offen über die realen Bedingungen für die Tour zu schreiben. Andernfalls wäre dieser Zugspitz-Report wertlos für dich als Leser. Im ersten von zwei Teilen geht es bis zum grünen Buckel.

Blick in den Höllentalanger - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig - 7summits4help-Blog
Blick in den Höllentalanger

Mäßiges Wetter an der Zugspitze

Das Wetter sieht nicht gut aus, heute beträgt die Temperatur auf dem Gipfel -1° C, dazu Schnee und Wind. Trotzdem wollen wir hoch und zumindest schauen, wie weit wir kommen. Eine Alternative hat André gefunden. Er hat die Tour fundiert geplant. Wenn es zur Zugspitze nicht weitergeht, nehmen wir den Klettersteig zur Riffelscharte.

Unsere Erfahrung in so einer langen Tour ist recht unterschiedlich. Während Toby und ich regelmäßig lang wandern und klettern, geht Alex viel laufen, André konzentriert sich auf das Klettern am Fels und in der Halle. Dieses unterschiedliche Niveau soll sich später bemerkbar machen.

Ausrüstung für den Zugspitz-Klettersteig

Der Rucksack ist für uns alle ähnlich gepackt: Genug zu trinken und ausreichend zu essen. Bei mir sind das 3 Liter Wasser im Camelbag und rund 1.500kcal in Keksen, Nüssen und Bananen. Zur Hardware zählen ein gutes Klettersteigset, der Helm und die Steigeisen. Dazu passend Klettersteig-Handschuhe, die den Griff verbessern. Für die Schichten sind es bei mir Funktions-T-Shirt mit Armlingen, darüber die 3-Lagen-Regenjacke, eine dünne Trekkinghose. Dabei habe ich wegen des Wetters eine Fleece-Jacke, Weste, dünne Handschuhe, einen Buff-Schal, eine dickere Mütze und eine dünne Mütze, die unter den Helm passt.

Bei allen Expeditionen (Aconcagua, Elbrus, Kilimanjaro etc.) habe ich die Erfahrung gemacht, dass mein Körper genug Kernwärme produziert, ich aber meine Extremitäten schützen muss. Passend zu den Steigeisen trage ich Kategorie D-Stiefel. Etwas warm, aber die harte Sohle und der Grip sind von Vorteil bei diesem Wetter.

Mit dem Taxi nach Hammersbach

Für 5:00 Uhr haben wir ein Taxi bestellt, dass uns von Garmisch-Patenkirchen nach Hammersbach bringt. Wir sparen dadurch fünf langweilige Kilometer bis zum Einstieg in die Höllentalklamm. Im Dunkeln steigen wir am Parkplatz aus und treffen schon die ersten Gruppen, die uns den ganzen Tag begleiten werden. Vom Parkplatz geht es leicht bergauf und nach der Brücke rechts hoch in die Klamm. Es wird steil. Wir machen mehrere Pausen, um uns überzähliger Schichten zu entledigen. Der Weg ist auch im Halbdunkel gut zu erkennen und führt uns weiter nach oben.

Der rauschende „Bach“ begleitet uns recht lange. Am Ende erfolgt ein leichter Weg in Serpentinen nach oben, der uns zum Tor zur Höllentalklamm führt. Hier müssen wir kurz warten, um den Eintritt zu zahlen. Für uns vier als DAV-Mitglieder sind das jeweils nur 1 Euro. Ansonsten immerhin 4 Euro. Nachdem wir durch das Drehkreuz hindurch sind, beginnt das erste Abenteuer.

Wasserspiele in der Höllentalklamm

Um 6:00 Uhr betreten wir die Klamm. Obwohl vorher schon der Himmel hell war, ist es in der Klamm dunkel. Zunächst starten wir ohne Regenjacke und Regenschutz für den Rucksack. Spätestens nach den ersten 20 Metern ziehen wir wieder alles an. Die Klamm macht uns klamm. Das eiskalte Bergwasser kommt aus allen Ritzen der Felsen. Egal, ob wir durch einen der vielen Tunnel gehen oder uns eng an der Wand entlang schlängeln, wir werden nass. Unsere Hosen sind durchweicht.

In der Höllentalklamm - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig - 7summits4help-Blog
In der Höllentalklamm

Nach gut 30 Minuten ist der Spuk vorbei. Wir kommen wieder ans Tageslicht.

Auf uns warten fünf wesentliche Abschnitte: Höllentalanger, der erste Klettersteig mit dem „Brett“, das Höllentalkar mit dem grünen Buckel, der Höllentalferner, nur noch ein Schneefeld, und der zweite Klettersteig zur Zugspitze. Das Topo bei bergsteigen.com zeigt die Abschnitte sehr übersichtlich.

Gemütlich zur Höllentalangerhütte

Der Abschnitt zur Höllentalangerhütte ist nett, schlängelt sich rechts am Tal hoch und nach Überschreiten einer Brücke stehe ich schon vor der Hütte. Ich hatte etwas Gas gegeben, um wieder auf Touren zu kommen. Daher gönne ich mir um 7:00 Uhr ein Haferl Kaffee zum Luxus-Preis von 4,30 Euro. Währenddessen treffen die anderen ein. Wir genießen gute 45 Minuten die Wärme in der Hütte und besprechen den weiteren Weg.

Hinter uns bricht ein Bergführer die geplante Zugspitz-Klettersteig-Tour für seine Gruppe ab. Zu kalt, zu nass, zu gefährlich. Wir lassen uns kurz verunsichern, legen wegen des anhaltenden Regens unsere Regenhose an und spazieren entspannt zum Einstieg in den Klettersteig.

Toby nimmt sich die Zeit für den ersten Flug der Drohne über den Höllentalanger:

Rein in den Klettersteig

9:00 Uhr geht es los. Wir haben uns gegenseitig auf Sitz des Sets, der Rastschlinge und des Klettergutes gecheckt: „Partner-Check sonst Partner weg!“. Nach einer kurzen schrofen-artigen Kletterei erfolgt der richtige Einstieg über eine Leiter mit eingeschlagenen Stahltritten. Das Stahlseil sitzt fest. Der Klettersteig wird die gesamte Zeit in guter Verfassung sein.

Hoch geht es an der Wand. Wir fühlen uns wohl. Es ist weder ausgesetzt noch anstrengend. Irgendwann kommen wir dann ans „Brett“. Das erste Mal wird es spannend. Über Stahltritte geht es an der steilen Felswand lang.

Das Brett - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig - 7summits4help-Blog
Das Brett

Der Blick ist großartig, weit in das Tal. Dann kommt der nächste Abschnitt. Rund 50 Meter leichte Kletterei in den Schrofen. Alex und ich haben Spaß.

Schrofen-Kletterei - Zur Zugspitze via Höllental über Klettersteig - 7summits4help-Blog
Schrofen-Kletterei

Toby ist schon enteilt, er will die Drohne fliegen lassen, die ich dann schon über meinem Kopf sehe. Nur, der Pilot hat vergessen auf Aufnahme zu drücken…. Nach dem Kletterabschnitt müssen wir erstmalig warten. André ist hinter uns. Seine konditionellen Probleme machen sich bemerkbar und wir kühlen aus. Dafür haben wir Zeit mit der Drohne zu spielen und coole Aufnahmen zu machen.

Wir sind wieder vollständig und nach einer kurzen Pause starten wir zu viert in das Höllentalkar mit dem grünen Buckel. Es ist 9:30 Uhr.

> Weiter zum zweiten Teil.


Impressionen zum Klettersteig

Die Galerie zeigt dir die Bilder des Ausflugs in zeitlicher Abfolge. Klick dich einfach durch:

PanoramaWeg zur Zugspitze via HöllentalDas ZielIn der HöllentalklammFeuchte HöllentalklammWildwasserSpaß in der HöllentalangerhütteBlick in den HöllentalangerDrohnen-Blick: Das Team vorm ersten KlettersteigWandern mit DrohneDynamisch über die LeiterVoller Vorfreude beim Einstieg in den KlettersteigGut gesichert nach obenDas BrettSchrofen-KlettereiDer grüne Buckel von der Drohne ausDer Höllentalferner als kleines SchneefeldLos geht es auf den FernerPanorama des HöllentalfernerKindliche Freude im SchneeWarten vor der RandkluftSchneeAuf dem Gipfel

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Die Idee eine größere Spendenaktion anzugehen, kam Nicolas Scheidtweiler als er in der Vergangenheit Entwicklungs- und Schwellenländer besuchte und insbesondere als Offizier in Afghanistan - einem der ärmsten Länder der Welt - eingesetzt war. Die Besteigung des Kilimanjaro und das Interesse daran aus dem Freundeskreis prägten Nicolas Scheidtweiler so sehr, dass er eine Chance in der Kombination dieser Erfahrungen sah.
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